Zum Hauptinhalt springen
Meldungen aus dem Landesverband Baden-Württemberg
Meldungen aus dem Landesverband Baden-Württemberg

Erneuter Einsatz der Biberacher Feuerwehrsenioren in Pomezia

Feuerwehrsenioren arbeiten erneut auf einem deutschen Soldatenfriedhof und treten für die Völkerverständigung ein

Freischneiden der Steinkreuze auf dem Friedhof Pomezia Alfons Christ

Pomezia, eine italienische Stadt mit 65 000 Einwohnern, 25 Kilometer von Rom entfernt und zwischen dem Mittelmeer und den Albaner Bergen gelegen, dieser Ort mit einer großen deutschen Kriegsgräberstätte war im Juli das Ziel der Kriegsgräbergruppe der Feuerwehrsenioren aus dem Kreis Biberach. Mit ihrem siebten Arbeitseinsatz auf einem Soldatenfriedhof im Ausland haben die Feuerwehrangehörigen im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge nicht nur zwei Wochen gearbeitet, sondern auch für die Völkerverständigung geworben. 

Das Gebiet südlich von Rom war ab Mitte 1943 Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen den Achsenmächten Deutschland – Italien und den Alliierten. Nach der Niederlage des Afrikakorp landeten amerikanische und britische Truppen in Sizilien mit dem Ziel, Rom zu erobern. Die deutschen Verbände setzen ihnen jedoch einen erheblichen Widerstand entgegen, sie bildeten verschiedene Riegelstellungen, sodass der Vormarsch nach Norden nur sehr langsam vorankam. Um die deutschen Verteidigungsstellungen zu umgehen, landeten alliierte Verbände zusätzlich südlich von Pomezia, was jedoch nur zögerlichen Erfolg brachte. Die zahlreichen und heftigen Kampfhandlungen, darunter auch die Schlacht um Monte Cassino forderte auf beiden Seiten viele Opfer.  Die gefallenen Soldaten wurden an verschiedenen Orten begraben, doch schon kurz nach Kriegsende stellte der italienische Staat in Pomezia ein Gelände zur Verfügung, in dem deutsche Gefallene bestattet werden konnten. So wurden im Laufe der Nachkriegsjahre zahlreiche deutsche gefallene Soldaten aus den verschiedensten Provinzen Italiens nach Pomezia überführt und dort bestattet. Inzwischen ruhen auf diesem Friedhof über 27 000 deutsche Soldaten, unter ihnen sind auch fünf Gefallene aus dem Kreis Biberach, einer davon aus dem Verwandtenkreis eines Feuerwehrangehörigen. Pomezia zählt zu den größten deutschen Kriegsgräberstätten in Italien. 

Nach einer langen, aber problemlosen Fahrt mit zwei Fahrzeugen, welche die Feuerwehren Ochsenhausen und Schemmerberg zur Verfügung gestellt hatten, erreichte die Gruppe den Zielort Pomezia. Der Arbeitsauftrag war klar, die Vorbereitungen sind in Zusammenarbeit mit dem Volksbund im Vorfeld schon getroffen worden, und vor Ort begleitete Nancy Menegoni als Vertreterin des Volksbundes die Arbeitsgruppe. 

Der Soldatenfriedhof ist nahe der Stadt auf einer Ebene angelegt und mit Pinien bepflanzt, die allerdings seit einigen Jahren von einem Schädling befallen sind, der den eigentlich robusten Bäumen schwer zugesetzt hat. So musste eine große Anzahl dieser stattlichen Bäume gefällt werden, eine Arbeit, die bereits vor der Ankunft der Feuerwehrgruppe erledigt wurde. Die Steinkreuze mit den Namen der Gefallenen sind in langen Reihen auf den Rasenflächen angeordnet, in Feldern eingeteilt und nummeriert, so dass sie leicht von Besuchern gefunden werden können. Die eigentliche Tätigkeit gestaltete sich zwar sehr umfangreich, konnte aber mit den verantwortlichen Mitarbeitern auf dem Friedhof vollständig durchgeführt werden. Dabei kam auch die komplette Nutzung des Maschinen- und Geräteparks auf dem Friedhof unterstützend zu Hilfe. Sehr unangenehm waren die permanent hohen Temperaturen von über 35 Grad, die bereits am späten Vormittag erreicht wurden. Deshalb wurde der Arbeitsbeginn auf den frühen Morgen gelegt, um nachmittags der Hitze aus dem Weg zu gehen. Dennoch war jede Tätigkeit sehr schweißtreibend, die Arbeiten mit den Heckenscheren, das Freischneiden an den Friedhofsmauern und um die zahlreichen Steinkreuze verlangten Ausdauer. Besonders zeitraubend war die Reinigung der Wege, die mit Paddockplatten belegt und mit Kies aufgefüllt waren, aus dem das Unkraut üppig sprießen konnte. Erträglicher gestalteten sich die Malerarbeiten im Empfangsgebäude und im Dokumentationsraum, wo Wände und Decken neu gestrichen wurden. Auch der Sanitärbereich wurde durch umfangreiche Malerarbeiten wieder neu hergerichtet. Holzbänke und Tische, die im Friedhofsbereich verteilt aufgestellt waren, wurden eingesammelt, im Schatten demontiert, abgeschliffen und neu mit wasserfester Farbe versehen. Ebenso verfuhr die Gruppe mit den zahlreichen blechernen Abfallbehältern, auch sie wurden im kühleren Werkstattbereich zerlegt, gründlich entrostet und neu lackiert. Wie bei jedem der vergangenen Arbeitseinsätze, brachten die Feuerwehrleute eine bereits zu Hause vorgefertigte Sitzbank mit Gravur mit und stellten sie an geeigneter Stelle auf. 

Angenehme Abkühlung bot das tägliche Schwimmen im nahe gelegenen Meer, eine willkommene Abwechslung zur Arbeit in der Hitze. Schnell war auch der Kontakt zur örtlichen Feuerwehr im dortigen Küstenort Torvaianica hergestellt, die direkt am Meer stationiert ist und neben dem Brandschutz in der Gemeinde auch die Wasserwacht übernimmt. Sprachprobleme waren kein Thema, eine Führung durch das Gerätehaus nebst Bewirtung und ein reger Gedankenaustausch kamen sehr schnell zustande. Nach dem gegenseitigen Austausch von Gastgeschenken entwickelte sich eine kameradschaftliche Atmosphäre, eigentlich nichts Ungewöhnliches unter Feuerwehrangehörigen. 

Das Wochenende nutzte die Gruppe für einen Ausflug nach Subiaco, der Partnerstadt von Ochsenhausen. Da ein Angehöriger der Feuerwehrsenioren aus der Stadt in Oberschwaben mit von der Partie war, war bereits im Vorfeld ein Kontakt geknüpft und ein Besuchsprogramm erstellt worden. Eine deutschsprachige Führung durch das Benediktinerkloster San Benedetto, ein opulentes Mittagessen bei der Feuerwehr Subiaco und ein Nachmittag bei einem Olivenbauern rundeten diesen fast familiären Ausflug ab. Auch der ausgedehnte Besuch im historischen Museo Piana delle Orme in Latina hinterließ einen bleibenden Eindruck. Zahlreiche Dioramen zeigten anschaulich die kulturelle und geschichtliche Entwicklung der Region, die Fortschritte in Industrie und Landwirtschaft, die Zeit des 2. Weltkriegs mit Schwerpunkt der Schlacht um Monte Cassino und die technische Entwicklung im militärischen Bereich. Auch ein Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Nettuno stand auf dem Programm des Wochenendes.

Den Abschluss des Arbeitseinsatz bildete die Gedenkfeier, zu der neben der Feuerwehrmannschaft der ehemalige Bürgermeister von Pomezia, Vertreter der Stadtverwaltung und des Carabinierivereins, der Direktor der Feuerwehr Torvaianica und Gäste aus der Bevölkerung teilnahmen. Nancy Menegoni fungierte dabei als Dolmetscherin für die italienischen Gäste. Nach der Kranzniederlegung und dem Lied vom „Guten Kameraden“, welches ein Feuerwehrangehöriger spielte, erinnerte Hans Fuchs (Feuerwehr Alleshausen) in seiner Gedenkrede an das Lebensalter der meisten Gefallenen auf diesem Friedhof. Er nannte exemplarisch einen jungen Soldaten, der aus Reichenbach bei Bad Schussenried stammte, kurz nach der Lehre als Gärtner auf Schloss Zeil arbeitete und schließlich mit 18 Jahre einberufen und an die italienische Front versetzt wurde. Bei der Schlacht um Monte Cassino wurde er schwer verwundet und starb im Mai 1944 im jungen Alter von 19 Jahren in einem Lazarett in Rom. Ein Beispiel für viele dieser Generation, die sich ihrer Jugend nicht erfreuen konnten, wie Hans Fuchs bemerkte. Umso wichtiger sei es, zwischen den Völkern über die Grenzen hinweg gute nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen, wie sie zwischen Subiaco und Ochsenhausen realisiert wurden. Das sei die Grundlage für Frieden, der nicht selbstverständlich ist, schließlich erleben wir es jeden Tag. Fuchs machte auch deutlich, dass die Gefallenen nicht in Vergessenheit geraten dürfen, auch wenn die Ereignisse schon drei Generationen zurückliegen. Denn gerade die vielen Gefallenen der Kriege mahnen uns alle zum Frieden unter den Völkern. Wörtlich sagte Fuchs: „Wir Feuerwehrleute sind zwar zum Arbeiten gekommen, wir wollen aber auch ein Zeichen setzen zur Versöhnung über die vielen Gräber hinweg“. 

Bericht von Herrn Alfons Christ