Meldungen aus dem Landesverband

Abschlussveranstaltung der Jugendbegegnung Bodensee-Oberschwaben

Workcamp im Corona-Format war ein voller Erfolg

OB Dr. Rapp, Landesvorsitzender Guido Wolf MdL - Minister der Justiz und für Europa, August Schuler MdL, umringt von den Teilnehmern des Workcamp

Da die internationale Jugendbegegnung des Volksbundes am Bodensee wegen der Corona-Epidemie nicht stattfinden konnte, wurde im Landesverband Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Jugendreferat der Entschluss gefasst, trotz widriger Umstände, mit unserer Jugendarbeit vor Ort sichtbar zu bleiben.

So haben 10 junge Erwachsene und zwei Teamer eine Woche im September Gräber in Ravensburg gepflegt und sind den Spuren des Krieges am Bodenseeufer in Friedrichshafen, am Lerchenberg und am KZ-Stollen bei Überlingen gefolgt. Konstanz, Ravensburg und die Region wurden erkundet.

Bei der Abschlussveranstaltung in Ravensburg dankte, nach dem Grußwort des Schirmherrn Oberbürgermeister Dr. Rapp, der Landesvorsitzende Guido Wolf MdL, Minister der Justiz und für Europa, den jungen Erwachsenen für Ihren Einsatz in der Ferienzeit und rief sie dazu auf, auch weiterhin Frieden zu stiften.

Im Anschluss berichtete jeder der zehn Teilnehmer von seinen Erfahrungen während dieser Woche. Lesen Sie hier die Redebeiträge der Teilnehmenden, welche zugleich informativ und berührend sind.

Wir danken allen Beteiligten und besonders dem Teamerduo, dass solch eine Jugendbegegnung unter Corona-Bedingungen stattfinden konnte.

Reden der Teilnehmenden

Rede Abschlussveranstaltung Workcamp 2020 Ravensburg

„Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“

Dieses Zitat stammt von Fritz Bauer, der als Generalstaatsanwalt verantwortlich für die Anklageerhebung im Auschwitz-Prozess in den 60er Jahren war.

Damit die Vergangenheit nicht wieder Gegenwart oder Zukunft wird, dafür sind wir in dieser Woche hierhergekommen: neun junge Erwachsene und zwei Leiter. Ich bin einer der beiden Leiter. Normalerweise würden Sie hier eine internationale Jugendgruppe mit ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus vielen Ländern Europas begrüßen.

Was aber ist in diesen Zeiten normal?

Der Volksbund musste wie viele andere Veranstalter, Vereine, Schulen und Institutionen die geplanten Projekte im Bereich der Jugend- und Bildungsarbeit im In- und Ausland absagen. Covid-19 hat die Welt vor eine beispiellose Herausforderung gestellt. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs stand die Welt vor keinem vergleichbaren Problem.

Die Grenzen Europas waren fast 3 Monate weitestgehend geschlossen: Menschen konnten sich nicht mehr treffen, Reisen ins Ausland waren nicht möglich, Austauschprojekte konnten nicht mehr stattfinden. Der Austausch von Menschen in Europa, der Dialog und das Kennenlernen vor allem von jungen Menschen ist jedoch wesentlicher Bestandteil des europäischen Friedensprozesses, ist die Grundlage von Demokratie. Eine Jugendbegegnung ist mehr als nur Erholungsurlaub im klassischen Sinn, sie trägt zur Völkerverständigung und zum Abbau von Vorurteilen bei.

Die geschlossenen Grenzen haben Erinnerungen an ein Europa von früher wachgerufen, wo Menschen das Reisen verwehrt war und sehr oft nationalstaatliches Denken und Handeln vorherrschte. Leider wird die Corona-Krise vielerorts zum Anlass genommen, sich auf nationalen Egoismus zurückzuziehen und sich abzukehren von einem „Wir“ in Europa.

Dem allen müssen wir entschieden entgegentreten. Darum war es uns wichtig, in diesem Jahr trotz aller Widrigkeiten dieses Begegnungsprojekt zu realisieren. Dennoch galt es, vernünftig zu sein, die Gesundheit und die gesellschaftliche Verantwortung im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie allem voran zu stellen.

Seit 1953 kommen junge Menschen bei Projekten des Volksbundes zusammen und pflegen den internationalen Austausch an Kriegsgräbern in ganz Europa. Auch wenn dies im Jahr 2020 zum ersten Mal in diesen fast 70 Jahren nicht europaweit möglich war, so tragen wir den Gedanken hier und heute in Ravensburg fort.

Wir werden Ihnen nun über unsere gemeinsame Zeit berichten und unsere Erlebnisse, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken vortragen.

 

Ich bin Florin und komme aus Rumänien.

An den internationalen Camps des Volksbundes teilzunehmen ist eine einzigartige Gelegenheit für viele junge Menschen aus ganz Europa. Für viele ist es das erste Mal, dass sie ins Ausland reisen. Vielleicht am wichtigsten für sie ist die Chance neue Freundschaften mit Menschen aus allen Ecken Europas zu bilden.

Als Teilnehmer, der aus dem Ausland stammt, hatte ich selbst diese wunderschöne Erfahrung mehrmals gemacht. Was mir danach geblieben ist, sind ewige Erinnerungen, neue Freunde und ein Gefühl von Gemeinschaft zwischen den verschiedenen Nationen.

Vor zwei Jahren trat ich dem Leitungsteam hier im Baden-Württemberg bei. Ich war und bin noch sehr froh dieselben Erlebnisse, die ich erlebt habe, anderen anzubieten. Auch für diesem Jahr haben wir, wie immer, unsere internationale Jugendbegegnung vorgeplant. Dann plötzlich, fast über Nacht, ist unser Leben verändert. Unser beliebtes Camp konnte nicht stattfinden und unsere Teilnehmer werden in diesem Jahr nicht tausende von Kilometern bis zu uns reisen. Auch mir war es nicht klar, ob ich Deutschland in diesem Jahr erreichen konnte.

Es war für uns unvorstellbar kein Camp in diesem Jahr zu haben. So haben wir angefangen unter den neuen Bedingungen an einem neuen kleineren Projekt zu arbeiten. Zusätzlich zu dem Risiko, dass auch diese Jugendbegegnung nicht stattfinden konnte, musste ich auf die Lage in meinem Heimatland, in Deutschland und im ganzen Europa aufpassen.

Diese Unsicherheit der Hinreise hat mich an die Geschichten meiner Eltern erinnert, die vor 30 Jahren als junge Erwachsene in meinem Alter nicht so einfach ins Ausland reisen konnten. In diesem Jahr konnte ich ein kleines Teil ihrer Vergangenheit erleben.

Dass das Leben der Menschen in der ganzen Welt gleichzeitig so schnell und deutlich sich verändert konnte, war mir und meinen Freunden vor einem Jahr unvorstellbar.

Wir haben aber durchgehalten und haben unsere Arbeit für den Frieden auch in diesem Jahr geleistet. Wir tragen in unseren Herzen die Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wieder Junge Menschen aus ganz Europa willkommen heißen können und dass stärker aus der Krise gehen.

Ich heiße Jan und komme aus Bonn

Teilnehmer aus ganz Europa, die sich gegenseitige ihre Länder und Kulturen näherbringen, gemeinsam Erfahrungen auf Kriegsgräberstätten und an Gedenkorten sammeln und neue Freundschaften schließen. Diese Besonderheit, welche die Workcamps des Volksbundes auszeichnet und einzigartig macht, ist leider auf Grund der Einreiseverbote und der Corona-Hygiene-Maßnahmen dieses Jahr für uns nicht erfahrbar. Genauso, wie sich das Abstandhalten und das Tragen einer Maske sich auch unweigerlich auf die Programmgestaltung, die Arbeit auf der Kriegsgräberstätte und auch auf die Gruppendynamik auswirken.

Aber auch in diesem Workcamp „light“ bleiben die wichtigen Kerngedanken gleich: Das gemeinsame Ziel, die Kriegsgräber als Mahnmäler für den Frieden zu erhalten und erlebbar zu machen. Und dies nicht nur auf den großen Sammelfriedhöfen im Ausland, sondern gerade auch vor Ort in unseren Gemeinden.

Der gemeinsame Wille, über den „Tellerrand“ der historischen und politischen Bildung an Schule und Universität hinauszublicken.

Und schließlich bilden sich natürlich auch ohne unsere internationalen Gäste ebenso unilateral neue Freundschaften und Erfahrungen können ausgetauscht und gemeinsam neue erlebt werden.

Zu guter Letzt ist es gerade auch in diesen Zeiten, in denen selbstverständliches angezweifelt wird und in unserer Gesellschaft, als auch in der Politik Alleingänge gemeinsamen Lösungen vorgezogen werden, wichtig, zusammen ein Zeichen zu setzten: Ein Zeichen für den Frieden, die Völkerverständigung und die Versöhnung über den Gräbern.

Und dies geht schließlich auch mit Abstandhalten, Händewaschen und Alltagsmaske und im nächsten Jahr sicherlich auch wieder gemeinsam mit unseren Freunden aus Europa und der ganzen Welt.

 

Ich bin Bilal und ich komme aus Stuttgart

Am ersten Tag haben wir uns vorgestellt und kennengelernt.

Am Abend haben wir eine Führung durch die Stadt Ravensburg bekommen und uns die Stadt angeschaut.

Am Dienstag waren wir in Konstanz und haben da Führung durch die Stadt über die Grenze, die Kirche und Konzil bekommen.

Am Freitag gehen wir zum Hopfen Museum und Pfahlbauten.

Jeden Abend haben wir gemeinsam Spiele gespielt und uns miteinander unterhalten, wer was macht und von wo wir kommen.

Wir haben auch über Kultur geredet, wie es in Afghanistan ist von wo ich komme.

Ich habe viel über mich erzählt, was ich in Afghanistan erlebt habe z. B. dass ich als kleines Kind nicht in die Schule gehen durfte.

Mein Vater hat es verboten, da immer wieder neben der Schule oder in der Schule Bomben explodieren, wodurch Kinder und Schüler sterben.

Das ist auch jetzt noch immer so.

Zum Beispiel ist vor zwei Monaten in einer Schule eine Bombe explodiert und es sind 9 Schüler gestorben und 6 verletzt worden.

Im November letztes Jahr sind bei einer Explosion auf der Straße neben der Schule 8 Jungs und 1 Mädchen gestorben, die zwischen 7 und 10 Jahre alt waren.

Ich bin froh, dass ich hierherkommen durfte und die Schule besuchen durfte.

Ich bin in das Camp gekommen, weil ich die Geschichte über Deutschland kennenlernen wollte, wieso hier es Kriege gab.

Ich wollte außerdem neue Freunde kennenlernen

 

Ich heiße Sebastian und ich komme aus Mainz

Der Überlinger Stollen ist ein vier km großes, weit verzweigtes und in unbehauene Molasse, eine Vorform des Sandsteins, gehauenes Tunnelsystem. Gebaut wurde es von etwa 700 KZ-Häftlingen aus Dachau in den letzten sieben Monaten vor Kriegsende (September 1944 bis März 1945). Dieses Tunnelsystem war als Produktionsstandort für die ausgebombte Kriegsindustrie aus Friedrichshafen gedacht, vor allem für die dortigen Firmen ZF, Dornier, Maybach Motorenwerke und Zeppelin.

Die Häftlinge mussten alle Arbeiten, wie das Wegsprengen von Gestein und das Wegschaffen des Abbruchmaterials, wie auch das Vergrößern der Tunnel, selbst und unter keinerlei Art von irgendeiner Absicherung gegen z. B. herunterfallendes Gestein, erledigen.

Dieses im Hinterkopf lässt einen sowohl staunend, als auch bestürzend und sehr nachdenklich durch das Tunnelsystem laufen. Staunend über die Ausmaße der Tunnel und darüber, was Menschen in der Lage sind zu leisten. Bestürzt und sehr nachdenklich, fast schon traurig, weil diese Personen dort, das nicht freiwillig, sondern unter Zwang und Lebensgefahr tun mussten. Der Überlinger Stollen ist deswegen im Rahmen einer Führung heute noch zu besichtigen, weil die Franzosen nach Kriegsende nur die Eingänge zu ihm gesprengt haben und nicht auch die Stollen selbst.

 

Ich heiße Mayumi und komme aus Stuttgart

Nach diesem Überblick zur Geschichte Stollens möchte ich die waghalsige Flucht zweier Häftlinge aus dem Überlinger Stollen beleuchten.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, welche Not Wassili Sklarenko und Adam Puntschert zu dieser Flucht getrieben hat und welchen Todesängsten sie ausgesetzt waren. Ein vorheriger Fluchtversuch eines Mithäftlings war gescheitert und der Flüchtige grausam hingerichtet worden. Aus Furcht, wie er von den Wachhunden zerfleischt zu werden, bauten sich Puntschert und Sklarenko vor der Flucht Handgranaten aus Konservenbüchsen, um sich bei einer Entdeckung in die Luft zu sprengen.

Während der Nachtschicht am 22. März 1945 übergossen sie sich mit Dieselöl, sodass die Wachhunde nicht anschlugen und kletterten in eine der Loren, die für den Transport des Schutts gedacht waren. Ein Mithäftling schob die Lore an den SS-Wachen vorbei und kippte den Inhalt in den Bodensee.

Sklarenko und Puntschert konnten unbemerkt entkommen und schlugen sich tagelang durch das Unterholz. Am 30. März 1945 überquerten sie unbemerkt die Grenze in die Schweiz. Nach ihrer Ankunft in wurde ein Foto von beiden aufgenommen. Ihre Gesichter zeigen die widersprüchlichen Emotionen, die sie gefühlt haben müssen: Sklarenkos Gesicht zeugt von den Strapazen und der Furcht, von den Schweizern an die SS ausgeliefert zu werden; Puntscherts Lächeln zeugt von der Erleichterung und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Puntschert und Sklarenko sahen sich nach diesem Tage nie wieder. Als Österreicher und Ukrainer befanden sie sich nach dem Krieg auf den jeweils anderen Seiten des Ost-West-Konflikts und waren durch unpassierbare Grenzen getrennt. Meine Generation kennt diese Grenzen nicht mehr, wofür wir sehr dankbar sind. Doch die Reisefreiheit zwischen den europäischen Ländern ist aufgrund von Corona nun eingeschränkt und es gilt, gerade jetzt, den Austausch weiter zu ermöglichen und die Beziehungen zu pflegen.

 

Ich heiße Ariane und komme aus Forchheim

Versteckt und von Weinbergen umgeben liegt idyllisch auf einem Plateau die Gedenkstätte Lerchenberg (1.Weltkrieg). Zwischen Bäumen verweist ein Tor aus Bronze auf den Eingang. Auffallend ist dessen Gestaltung: Das Tor –zweigeteilt- zeigt auf der linken Hälfte vertikal angeordnete Schlangenlinien. Diese lassen sich als Furchen auf einem Acker interpretiert. Die letzte Linie bricht in der Mitte ab:  Der Bauer kann sein Feld nicht mehr bestellen, da er zum Krieg eingezogen wird. In der rechte Hälfte sieht man willkürlich verstreute Kreuze. In meinen Augen stellen sie die durch Artilleriebeschuss verursachte Krater dar. Ebenso verweisen sie aber auch auf die Stellen auf dem Schlachtfeld, an denen Soldaten gefallen sind. Durch die Kreuze wird der humane Gedanke an die Soldaten hervorgehoben. An das Tor zu beiden Seiten anschließend befindet sich eine Mauer, die nach außen hin leicht abfällt. So erinnert das Gebilde an einen Hausgiebel. Diesem Gedanken folgend bildet der Himmel das Dach. Damit erhält die Gedenkstätte einen religiösen Charakter. Zudem wird dem Besucher dadurch Geborgenheit vermittelt. Dieses Konzept fand ich sehr schön. Durch das offene Tor fällt der Blick sofort auf das mittig aufgestellte Hochkreuz, welches von Rosen umrahmt wird. Auf dem Boden sind Steinplatten eingelassen, die über Namen, Todesdaten und die Funktionen in der Armee der Verstorbenen informieren.

Beim Lesen konkretisiert sich der Krieg durch die menschlichen Schicksale. Tiefe Trauer überkam mich. Die Idylle der Landschaft in Verbindung mit der durchdachten Architektur stellt einen starken Kontrast zu dem Lärm, Schmerz und Leid dar, welches die dort begrabenen Soldaten im 1.Weltkrieg erfahren hatten müssen. Darüber hinaus wurde man zum Nachdenken angeregt: Wer waren diese Menschen? Wie haben sie den Krieg erlebt?

Insgesamt sind 69 Soldaten hier bestattet. Jedoch ist die Gedenkstätte weiter gefasst: Sie ist den zwei Millionen Vermissten der beiden Weltkriege sowie allen Kriegstoten, deren Gräber nicht besucht werden können, gewidmet.

 

Ich heiße Dominic und ich komme aus Parchim

Die Gestaltung der beiden Kriegsgräberfelder auf dem Ravensburger Hauptfriedhof stehen exemplarisch für den unterschiedlichen Umgang mit den Toten beider Weltkriege.

Das Gräberfeld für den 1. Weltkrieg auf dem Gräberfeld ist durch seine symmetrische und auf das zentrale Kaltsteindenkmal ausgerichtete Form stark durch einen militärischen Geist der Zeit geprägt. In der Mitte des Denkmales ist ein gesenktes Schwert mit einem Stahlhelm und von Lorbeerzweigen umrankt.  Dieses verbildlicht die beginnende Heldenverehrung der Folgejahre, die bis hin in die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft praktiziert wurde.

Im absoluten Kontrast dazu ist die Anlage für die Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges freier und offener gestaltet. Geschwungene Linien und eine schlichte, aber farbige Bepflanzung sind zu erkennen. Die Mitte wird durch die Plastik „Ernte des Krieges“ markiert. Diese umschießt in ihren Armen die Früchte des Krieges, Grabkreuze. Das Fehlen von militärischen und heroischen Symbolen, auf diesem Gräberfeld, veranschaulicht den reflektierten und aufgeklärten Umgang mit den 2. Weltkrieg.

Ich finde dieses mahnende Gedenken in der heutigen Zeit bildet die Grundlage der aktuellen deutschen Erinnerungskultur. Sie bildet außerdem die Grundlage für unserer Arbeit über den Gräbern.

 

Ich heiße Rebekka. und ich komme aus Weimar.

Unsere Arbeit auf dem Friedhof war auf die Grabanlagen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs aufgeteilt. Hauptsächlich ging es darum, die Wege und Steine von Unkraut und Gras zu befreien. Unserer Arbeit trägt zur Instandhaltung dieser Mahnmale bei, doch natürlich hat sie auch noch andere Auswirkungen. Wir haben während der Führung erfahren, dass hier 167 Menschen beerdigt sind. Wenn man nur die Zahl hört, bleiben die Menschen dahinter anonym und die Geschehnisse der Weltkriege rücken in große Ferne. Doch als ich angefangen habe, mir ihre Namen durchzulesen erschien es auf einmal greifbarer und realer. Die gedankliche Distanz ging während der Arbeit verloren.

Außerdem eignet die Zeit gut um einander besser kennenzulernen, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen und zu diskutieren, aber auch für Gespräche über Lieblingsfilme, Hobbys Buchempfehlungen. Die gemeinsame Arbeit bringt uns als Gruppe näher zusammen, da wir uns gemeinsam für das gleiche Ziel einsetzen: Arbeit für den Frieden.

 

Ich heiße Christian und ich komme aus dem Erzgebirge

Bei einer Exkursion nach Konstanz haben wir viel über die Rolle der Stadt im Nationalsozialismus gelernt und wie sich die Grenze zur Schweiz im Laufe der Geschichte entwickelt hat. Zum Beispiel wurde hier am 8.11.1939 der Schreiner Georg Elser gefasst, welcher in die Schweiz fliehen wollte, weil er ein Bombenanschlag auf Adolf Hitler verübte. Dieser schlug allerdings fehl. Georg Elser wurde 1945 in Dachau ermordet.

Besonders ist, dass die Stadt seit dem 10. Jahrhundert nicht mehr durch kriegerische Handlungen zerstört wurde. Ein interessanter Fakt dazu ist, dass sich deutsche und schweizerische Offiziere geeinigt haben, die Stadt am 26.4.1945 friedlich an französische Truppen zu übergeben. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man grenzübergreifend zusammenarbeiten kann, um Frieden zu bewahren, auch wenn es in diesem Fall nur ein kleiner Frieden für Konstanz und Kreuzlingen war. Von der Zeit des Nationalsozialismus bis zu Beginn der 90er Jahre wurde Konstanz und Kreuzlingen in der Schweiz von einem Grenzzaun getrennt. Dieser wurde dann nach und nach abgebaut und durch eine offene Grenze ersetzt, welche bis in dieses Jahr Bestand hatte. Als das Coronavirus auch in Europa ankam, errichteten man auf beiden Seiten erneut einen Grenzzaun, der zum jetzigen Zeitpunkt allerdings wieder abgebaut ist. Doch gerade am Coronavirus sieht man, wie schnell es geht, dass zwei Länder getrennt werden und eine Situation wie eine offene Grenze, die wir mittlerweile über Jahrzehnte gewohnt sind und für selbstverständlich halten, kippen kann. Heute sollte man auf die Bürger von Konstanz und Kreuzlingen, die 1945 lebten zurückblicken und sich ein Beispiel an ihnen nehmen. Menschen aus zwei unterschiedlichen Ländern haben zusammengearbeitet und die Zerstörung Ihrer Städte verhindert. Wir sollten daraus lernen und zusammenarbeiten, um Krisen wie die Corona Pandemie gemeinsam zu meistern. Sozusagen ein Grenz- und Nationalitätenübergreifendes zusammenwirken für ein friedliches Miteinander.         

 

Ich heiße Christiane und ich komme aus Biberach

Mich fasziniert bei der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte immer wieder, dass das Ende des zweiten Weltkrieges „erst“ 75 Jahre her ist. Das Europa des Jahres 1945 unterscheidet sich fundamental von unserem heutigen Europa. Wir leben in Zeiten, in denen wir andere Länder in Europa als Nachbarn und Freunde und nicht als Feinde sehen.

Man kann die Europäische Union kritisieren und ja, gewiss gibt es Punkte die verbessert werden können. Dennoch sollte nie vergessen werden, dass der Grundgedanke der Europäischen Union der Frieden ist und dass es sich bei den Entwicklungen der vergangenen 75 Jahre um eine große Erfolgsgeschichte handelt.

Die Jugendbegegnungen des Volksbundes zeichnen sich durch die Begegnungen mit Menschen anderer Nationen aus. Dieses Jahr war das aufgrund von Corona nicht möglich. Alle Teilnehmer kommen aus Deutschland.

Unter den Teilnehmern ist ein Teilnehmer, der vor sechs Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam. Seine Schilderungen von Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen haben mich tief berührt und mir erneut gezeigt, dass wir Frieden nicht als Selbstverständlichkeit sehen dürfen.

Ich bin dankbar, dass wir heute hier in Europa in Frieden leben dürfen und dass ich in Frieden aufwachsen durfte.

Die Kriegsgräber erinnern uns an die Schrecken der Vergangenheit und mahnen uns, den Frieden beizubehalten.

 

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